Westfälische Lebensretter

Zu Besuch bei CSL Plasma in Bielefeld

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

Braun­schweig – Frank­furt – Göt­tin­gen – Kiel – Bre­men – Bie­le­feld

das bie­le­fel­der CSL Plas­ma­cen­ter war nun schon das Sechs­te, wel­ches ich besucht habe. Man könn­te den­ken: „das ist ja eh immer das Glei­che“ – Ist es aber nicht, denn jeder Stand­ort und jedes Cen­ter ist ganz anders. Jede Regi­on hat ihre eige­ne Men­ta­li­tät und jedes Team besteht nun mal aus ande­ren Men­schen. So ist auch jeder Ter­min in einem CSL Plas­ma­cen­ter von Mal zu Mal eine tol­le und span­nen­de Erfah­rung für mich.

Plasmaspendecenter

-CSL Plas­ma–

Was machen wir da überhaupt?

Die Inten­ti­on hin­ter unse­ren Besu­chen ist es, den Mit­ar­bei­tern die Mög­lich­keit zu geben ein­mal haut­nah zu erle­ben wofür sie ihren Job machen – also abge­se­hen vom Lohn natür­li­ch 😉. Mitt­ler­wei­le kommt Jens ja immer mit und wir tre­ten dann als All­tags­ma­cher auf‚ aber – und dar­auf kommt es an- eben auch als Pati­ent, der an einem ange­bo­re­nen Immun­de­fekt lei­det, und ein Part­ner der aus sei­ner Sicht noch mal ganz anders auf Fra­gen ein­ge­hen kann.

Ganz grob gesagt: Ich sit­ze da meist eine Stun­de und erzäh­le über mein Leben mit PID, die Behand­lung, die Schwie­rig­kei­ten und wäh­rend­des­sen wer­den mir oder Jens Fra­gen gestellt. Dana­ch beginnt dann der nor­ma­le Betrieb im Cens­ter und die ers­ten Spen­der tref­fen ein. Sobald der Raum mit den Spen­der­lie­gen vol­ler gewor­den ist nut­ze ich die Chan­ce um auch mit den Plasmas­pen­dern ins Gespräch zu kom­men.

Bie­le­feld ist wirk­li­ch nicht weit weg von Müns­ter und so hat­ten wir eine ver­gleichs­wei­se kur­ze Anrei­se. Ich muss gene­rell sagen, dass sich immer ziem­li­ch viel Mühe gege­ben wird, uns mög­lichst bequem auf Rei­sen zu schi­cken.

Wir wur­den um 08:30 Uhr vom Bahn­hof in Bie­le­feld abge­holt und nach 10 Minu­ten zu Fuß waren wir auch schon am Ziel­ort ange­kom­men. Also, ich weiß nicht wo Jens da immer die Gelas­sen­heit her nimmt, aber mir geht dann doch jedes Mal der Arsch so ein biss­chen auf Grund­eis.

Man darf nicht ver­ges­sen, dass da ja auch Erwar­tun­gen hin­ter ste­cken und ich auf die Men­schen tref­fe, die dar­an betei­ligt sind, dass es mich und ande­re mir wich­ti­ge Men­schen noch gibt.

Tolle Runde

Da waren wir nun und um uns her­um ein ziem­li­ch Gewu­sel. Das ist so komi­sch, wenn man irgend­wo rein­kommt und jeder schaut dich an. Aber hey, immer­hin gab es nur neu­gie­ri­ge Bli­cke und vie­le, vie­le lächeln­de Gesich­ter. So schnell hat uns wohl noch nie jemand einen Kaf­fee in die Hand gedrückt. Das macht übri­gens gleich sym­pa­thi­sch 😀.

Ja, und dann schlägt die Uhr 9 und es geht los. Da sit­zen wir, ich erzäh­le und es wur­den vie­le Fra­gen gestellt. An irgend­ei­nem Punkt habe ich wie meis­tens her­vor­ge­ho­ben, wie wich­tig die Arbeit der Mit­ar­bei­ter ist – doch eigent­li­ch war das in Bie­le­feld gar nicht nötig.

Die Mit­ar­bei­ter arbei­ten ger­ne in ihrem Cen­ter und füh­len sich sehr wohl dort. Gene­rell muss ich sagen, dass die Stim­mung durch­weg har­mo­ni­sch war. Man bekommt mit ein wenig Fein­ge­fühl ja schon schnell mit wie die aktu­el­le Stim­mung ist: Die war bei den Lebens­ret­tern aus Bie­le­feld ein­fach nur posi­tiv.

Ruck zuck war die eine Stun­de um und wir eigent­li­ch gera­de noch mit­ten­drin. Nutzt alles nichts, wir hat­ten dann eh schon 10 Minu­ten über­zo­gen und die Spen­der woll­ten ja flei­ßig Leben ret­ten.

Bis ich dann in den Spen­der­saal gegan­gen bin gab es noch so eini­ge ein­zel­ne Gesprä­che mit Mit­ar­bei­tern. Auch die anwe­sen­de Ärz­tin war unglaub­li­ch stark an der gan­zen The­ma­tik inter­es­siert. Eine Stun­de ist ein­fach zu kurz, da waren sich am Ende alle einig. Das Leben mit ange­bo­re­nem Immun­de­fekt ist in so kur­zer Zeit über­haupt kaum erklär­bar, wenn man der The­ma­tik auch wirk­li­ch gerecht wer­den möch­te.

Trotz­dem den­ke ich, haben wir es geschafft ein paar wich­ti­ge Bot­schaf­ten zu trans­por­tie­ren und uns auch im Namen aller ande­ren Betrof­fe­nen und Ange­hö­ri­gen für die groß­ar­ti­ge Arbeit bedankt.

Bei den Spendern

Ich mache das mitt­ler­wei­le so, dass ich mich irgend­wo im Spen­de­saal hin­stel­le wo mich mög­lichst vie­le sehen kön­nen, dann erklä­re ich mit lua­ter Stim­me wer ich eigent­li­ch bin und Bedan­ke mich.

Wenn es passt, füh­re ich auch noch ein­zel­ne Gesprä­che an den Lie­gen – so war es auch die­ses Mal. Beson­ders beein­druckt hat mich ein Spen­der der mich zu sich geru­fen hat und dann fol­gen­des sag­te: „Ich habe rich­tig Trä­nen in den Augen. Ich kom­me seit über 20 Jah­ren zur Plasmas­pen­de und mir war über­haupt nicht bewusst, dass da soviel dran hängt!“ – da war ich ein­fach nur baff.

Man glaubt es nicht, aber kaum ein Plasmas­pen­der weis was mit dem Plas­ma pas­siert. Da kom­me ich als leben­di­ges Bei­spiel natür­li­ch ganz anders an unse­re Lebens­ret­ter her­an.

Gene­rell ist es ja so, dass die Plasmas­pen­de im Ver­gleich zur Blut­spen­de kaum in unse­rer Gesell­schaft bekannt ist. Dabei las­sen sich gera­de Plas­men zu vie­len unter­schied­li­chen Medi­ka­men­ten wei­ter ver­ar­bei­ten. Eine Plasmas­pen­de ist dabei sogar viel scho­nen­der als die bekann­te Voll­blut­spen­de.

Wenn ich also wenigs­tens die Men­schen mit mei­ner Geschich­te als Pati­ent errei­che, die eh schon bereit sind das Leben ande­rer zu ret­ten, dann schaf­fen wir so viel­leicht den Anreiz wie­der oder sogar öfter zu kom­men. Im bes­ten Fall erzäh­len die anwe­sen­den Spen­der ihrem Umfeld davon und gewin­nen viel­leicht sogar Neu­s­pen­der.

Was wird aus meinem Plasma ?

-Bericht über Immun­glo­bu­li­ne, die aus Blut­plas­ma gewon­nen wer­den–

Es ist im Prin­zip ganz ein­fach: wir wol­len die Mit­ar­bei­ter moti­vie­ren mor­gens mit einem Lächeln im Cen­ter zu ste­hen, denn nur durch die tol­le Arbeit am Spen­der kom­men die­se auch immer wie­der. Für gen­au die­se wert­vol­le Arbeit wol­len wir uns aber auch gleich­zei­tig bedan­ken.

Den Spen­dern ein tie­fe­res Bewusst­sein für die Wich­tig­keit ihrer Plasmas­pen­de zu geben, ist der ande­re Teil die­ser Besu­che. Dabei ist uns das per­sön­li­che Bedan­ken und die Auf­klä­rung über ange­bo­re­ne Immun­de­fek­te beruf­li­ch wie auch pri­vat natür­li­ch eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit.

Fazit

Ja, und dann war die Zeit auch eigent­li­ch schon um. Es gab so vie­le tol­le Gesprä­che und Ein­drü­cke, doch man soll ja gehen wenn es am Schöns­ten ist. Wir wur­den im Anschluss noch zum Essen ein­ge­la­den (es war mega gut) und haben uns dann auf den Heim­weg gemacht.

Die Bie­le­fel­der sind toll und zwar alle – ob nun Cen­ter­lei­tung, Ärz­tin oder ande­re Team­mit­glie­der – haben ihr Herz spre­chen las­sen, offen Fra­gen gestellt und mir selbst wie­der Mut und Kraft gege­ben. Auch die Spen­der füh­len sich dort sehr wohl und kom­men ger­ne in das Cen­ter.

Ich hof­fe wir wer­den bald wie­der ein­ge­la­den um gemein­sam für mehr Auf­merk­sam­keit für das The­ma Plasmas­pen­de zu sor­gen… und wenn nicht, dann kom­men wir ein­fach so vor­bei.
Es war wirk­li­ch ein schö­ner Tag.

Wir bedan­ken uns für die Ein­la­dung und schi­cken herz­li­che Grü­ße nach Bie­le­feld.

Ste­phan
für die All­tags­ma­cher

PS: Wir wür­den uns übri­gens rie­sig freu­en, wenn sich viel­leicht ein Mit­ar­bei­ter fin­den lässt der bereit ist mal aus sei­ner Sicht unse­ren Besu­ch zu beschrei­ben.

Stephan Bierwirth Verfasst von:

Ste­phan ist der Kopf hin­ter den Inhal­ten unse­rer Arti­kel und Bei­träge. Von einem ange­bo­re­nen Immun­de­fekt selbst betrof­fen ver­steht er, was es bedeu­tet mit einer chro­ni­schen Erkran­kung sei­nen All­tag zu meis­tern. Mit Erfah­run­gen aus der sta­tio­nä­ren Pflege, als pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger sowie als Pati­en­ten­be­treuer kennt er beide Sei­ten des Gesund­heits- und Sozi­al­we­sens.

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